Times New Roman

Echtes Schriftmuster der Times New Roman: Schriftname, Pangramm, Alphabet und Ziffern.

Schriftmuster der Times New Roman (Regular), direkt aus der Schriftdatei gerendert.

Times New Roman ist eine klassische Serifenschrift, die 1931 von Stanley Morison konzipiert und von Victor Lardent gezeichnet wurde. Sie erschien am 3. Oktober 1932 erstmals in der Londoner Zeitung „The Times“ und wurde später als Systemschrift zur weltweit meistgenutzten Antiqua für Dokumente.

Times New Roman

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Times New Roman ist die Serifenschrift, die man aus Schulaufsätzen, Studienarbeiten und Amtsschreiben kennt: 12 Punkt, ordentlich, unaufgeregt. Dass diese vermeintlich zeitlose Klassikerin ursprünglich für den engen Spaltensatz einer Tageszeitung entworfen wurde, ist heute kaum noch bewusst. Dieses Porträt erklärt ihre Entstehung, ihren Weg von der Zeitung auf jeden Computer, ihre Merkmale und die passenden freien Alternativen.

Steckbrief

DesignerStanley Morison (Konzept) & Victor Lardent (Zeichnung)
Jahr / Entstehungkonzipiert 1931, erstmals veröffentlicht am 3. Oktober 1932
Foundry / HerausgeberThe Times (London) und Monotype; Linotype-Fassung: „Times Roman“
KlassifikationSerifenschrift (Barock-/Übergangs-Antiqua), abgeleitet von der älteren Plantin
Stil-Merkmalemäßiger bis kräftiger Strichkontrast, scharfe, angesetzte Serifen, kompakte, platzsparende Formen
Verfügbarkeit / Lizenzkommerziell, aber unter Windows und Office vorinstalliert; freie Metrik-Alternative: Liberation Serif
Ähnliche SchriftenTimes Roman, Liberation Serif, Tinos, Nimbus Roman, Plantin, Georgia
KategorieSerifenschriften

Wann und von wem wurde Times New Roman entworfen?

Times New Roman entstand aus einer Kritik. Der einflussreiche Typograf Stanley Morison, damals Berater der Setzmaschinenfirma Monotype, bemängelte 1929, dass die Londoner Tageszeitung „The Times“ altmodisch gesetzt und schlecht gedruckt sei. Die Zeitung nahm die Herausforderung an und beauftragte Morison, eine neue, bessere Hausschrift zu entwickeln.

Die eigentliche Zeichenarbeit übernahm Victor Lardent, ein Schriftzeichner aus der Werbeabteilung der Times, nach Morisons Vorgaben. Als Ausgangspunkt diente die ältere Monotype-Schrift Plantin, eine kräftige Renaissance-Antiqua, die Morison an die Erfordernisse des Zeitungsdrucks anpassen ließ: enger, kontrastreicher und mit klaren, robusten Serifen, damit die Buchstaben auch in winzigen Graden und auf saugendem Zeitungspapier scharf blieben.

Am 3. Oktober 1932 erschien „The Times“ erstmals vollständig in der neuen Schrift. Es war das erste Mal, dass eine Zeitung eine eigene Schrift entwerfen ließ und exklusiv einsetzte. Nach einer Schutzfrist gab Monotype die Schrift zum allgemeinen Verkauf frei – als „Times New Roman“. Für die konkurrierenden Linotype-Setzmaschinen, die viele Zeitungen nutzten, entstand eine praktisch identische Fassung unter dem Namen „Times Roman“.

Wie wurde Times New Roman von der Zeitung zur Systemschrift?

Ihren Weg zur Allgegenwart verdankt Times New Roman der Digitalisierung. Als in den 1980er-Jahren das Desktop-Publishing aufkam, gehörte die Times zu den ersten Schriften, die für PostScript- und TrueType-Systeme umgesetzt wurden. Apple und Microsoft nahmen sie in ihre Systemschriften auf, sodass sie auf praktisch jedem Computer vorhanden war.

Microsoft machte Times New Roman über viele Jahre zur Standard-Serifenschrift in Word und lieferte sie als eine der „Core fonts for the Web“ mit. Erst 2007 löste die serifenlose Calibri sie als Word-Voreinstellung ab. Bis heute gilt „12 Punkt Times New Roman, Zeilenabstand 1,5“ in vielen Hochschulen, Behörden und Gerichten als unausgesprochene Norm für Manuskripte, Seminararbeiten und Schriftsätze – nicht zuletzt, weil die kompakte Schrift viel Text auf wenig Raum unterbringt.

Diese enorme Verbreitung machte Times New Roman zum Sinnbild des seriösen, formellen Dokuments schlechthin. Weil sie über Jahrzehnte auf praktisch jedem Rechner vorhanden war, wurde sie zur unausgesprochenen Voreinstellung für alles, was amtlich und verbindlich wirken soll – ein Ruf, der ihr bis heute anhaftet, auch wenn modernere Schriften sie in vielen Programmen abgelöst haben.

Die Zeitung „The Times“ selbst blieb ihrer Schrift nicht ewig treu: Über die Jahrzehnte folgten mehrere Neuentwicklungen wie Times Europa (1972) und Times Modern (2006), die auf modernere Drucktechnik und schmalere Spalten zugeschnitten waren. Die ursprüngliche Times New Roman aber führte längst ein Eigenleben auf Millionen von Bildschirmen.

Woran erkennt man Times New Roman?

Times New Roman ist eine kompakte, kontrastreiche Serifenschrift mit sehr ausgewogenen, konservativen Formen. Sie wirkt sachlich und seriös, nie modisch. Charakteristisch sind die scharf angesetzten, spitz zulaufenden Serifen und der deutliche Wechsel zwischen dünnen und dicken Strichen.

Erkennungsmerkmale im Detail:

  • kräftiger Strichkontrast mit feinen Haarstrichen und betonten Grundstrichen
  • spitze, klar angesetzte Serifen an Ober- und Unterlängen
  • geneigte Achse der Rundungen (typisch für die Übergangs-Antiqua)
  • vergleichsweise geringe x-Höhe und schmale, platzsparende Grundformen
  • ein „a“ und „g“ mit zweistöckigem Aufbau, ein „R“ mit geschwungenem Bein

Weil Times New Roman von Anfang an auf Platzersparnis im Zeitungssatz ausgelegt war, läuft sie enger als viele andere Antiquas. Das macht sie wirtschaftlich, kann aber in großen Schriftgraden und auf Bildschirmen etwas gedrängt wirken – ein Grund, warum für den Bildschirm gezeichnete Serifenschriften wie Georgia dort oft angenehmer zu lesen sind.

Wofür eignet sich Times New Roman?

Times New Roman eignet sich hervorragend für lange Fließtexte im Druck, für die sie ursprünglich gedacht war. Ihre kompakte, gut lesbare Form macht sie zur klassischen Wahl für alles, was seriös und traditionell wirken soll:

  • wissenschaftliche Arbeiten, Seminar- und Abschlussarbeiten
  • juristische Schriftsätze, Verträge und amtliche Dokumente
  • Bücher, Berichte und Print-Publikationen mit dichtem Satz
  • formelle Korrespondenz, bei der ein konservativer Ton passt

Für den Bildschirm und moderne, offene Layouts ist Times New Roman dagegen nur bedingt ideal: Ihr enger Satz und der feine Kontrast kommen in niedriger Auflösung weniger gut zur Geltung. Wo Sie am Bildschirm eine ähnlich seriöse, aber besser lesbare Serifenschrift brauchen, sind speziell dafür entworfene Alternativen die bessere Wahl. In Kombination lässt sich Times New Roman gut mit einer ruhigen Grotesk wie Helvetica für Überschriften mischen.

Wie kombiniert man Times New Roman gut?

Times New Roman trägt im Dokument in der Regel den Fließtext. Für Überschriften und Auszeichnungen ist der klassische Kontrast eine ruhige serifenlose Schrift – so entsteht eine klare Trennung zwischen Struktur und Lesetext, ohne dass zwei ähnliche Serifenschriften konkurrieren.

Bewährte Kombinationen sind:

  • Times New Roman + Helvetica – die serifige Leseschrift für den Text, die neutrale Helvetica für Titel und Zwischenüberschriften
  • Times New Roman + Arial – die pragmatische Büro-Paarung, auf jedem Windows-System sofort verfügbar
  • nur Times New Roman – Regular für den Text, kursiv für Zitate und Werktitel, fett für Überschriften

Für gute Lesbarkeit im Druck haben sich rund 10 bis 12 Punkt mit etwas erhöhtem Zeilenabstand bewährt; die Zeilenlänge sollte 60 bis 75 Zeichen nicht überschreiten, damit das Auge sicher in die nächste Zeile findet. Weil Times New Roman eng läuft, wirkt sie in großen Schaugrößen schnell gedrängt – dort ist eine breitere Antiqua oder eine kräftige Grotesk die bessere Wahl.

Was sind gute Alternativen zu Times New Roman?

Ob aus Lizenzgründen oder für den Bildschirm – es gibt mehrere sinnvolle Ersatzschriften, teils metrisch identisch:

  • Liberation Serif – freie, metrisch kompatible Alternative; ersetzt Times New Roman ohne Umbruchverschiebung
  • Tinos – Googles kostenloses, metrikkompatibles Gegenstück über Google Fonts
  • Nimbus Roman – freie Times-Variante aus der URW-Sammlung
  • Georgia – für den Bildschirm gezeichnete Serifenschrift mit größerer x-Höhe und besserer Lesbarkeit am Monitor
  • Plantin – die historische Vorlage, wärmer und etwas breiter

Für hochwertige Druckwerke wie Bücher lohnt oft ein Blick auf klassische Renaissance-Antiquas wie Garamond, die eleganter und luftiger wirken als die zweckmäßige Times.

Ist Times New Roman kostenlos, und wie ist sie lizenziert?

Times New Roman ist eine kommerzielle Schrift von Monotype, wird jedoch mit Windows und Microsoft Office ausgeliefert und ist dadurch auf den meisten Rechnern vorhanden. Für die freie Nutzung – etwa auf Servern oder in offenen Projekten – sind Liberation Serif und Tinos metrisch kompatible, kostenlose Alternativen. schriften.de liefert keine Schriftdatei aus.

Im Web lässt sich Times New Roman als Systemschrift ansprechen, weil sie auf Windows- und Mac-Geräten vorhanden ist. Wo eine garantiert freie Schriftdatei nötig ist, greifen Sie zu Liberation Serif, Tinos oder Nimbus Roman.

Häufige Fragen zu Times New Roman

Warum heißt die Schrift „Times New Roman“?

Sie wurde für die Londoner Zeitung „The Times“ entworfen. „Roman“ ist der englische Fachbegriff für die aufrechte Antiqua-Grundschrift. Der Zusatz „New“ grenzte sie von der zuvor verwendeten Times-Schrift ab.

Was ist der Unterschied zwischen Times New Roman und Times Roman?

Times New Roman ist die Monotype-Fassung, Times Roman die praktisch identische Linotype-Variante für deren Setzmaschinen. Beide gehen auf denselben Entwurf von 1931/1932 zurück und unterscheiden sich nur in Details.

Ist Times New Roman kostenlos?

Sie ist kommerziell, wird aber mit Windows und Office mitgeliefert. Kostenlose, metrisch identische Alternativen sind Liberation Serif und Tinos; damit bleiben Zeilenlängen und Umbrüche erhalten.

Eignet sich Times New Roman für Bildschirme?

Nur bedingt. Ihr enger Satz und der feine Kontrast wirken am Monitor gedrängt. Für den Bildschirm ist die von Matthew Carter entworfene Georgia mit größerer x-Höhe besser lesbar.

Welche Schriftgröße nimmt man für Studienarbeiten?

Üblich sind 12 Punkt Times New Roman mit 1,5-fachem Zeilenabstand. Diese Vorgabe hat sich an vielen Hochschulen als Standard etabliert, weil sie kompakt und gut lesbar zugleich ist.

Sie möchten Serifenschriften besser verstehen und passende Vertreter finden? Der Überblick zu den Serifenschriften ordnet Times New Roman in ihre Schriftgruppe ein.

Serifenschriften im Überblick